Low Hanging Fruits: Effizienzmaßnahmen in Produktion und Gebäuden
- Jan Fleischer

- vor 5 Tagen
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Aktualisiert: vor 5 Tagen

Die meisten „Low Hanging Fruits“ sind weder neu noch unbekannt. Trotzdem begegnen sie uns in der Praxis regelmäßig. Während viele Unternehmen nach den großen Hebeln für Energie- und Ressourceneffizienz suchen, bleiben naheliegende Optimierungsmöglichkeiten oft ungenutzt. Dabei lassen sich gerade mit diesen Maßnahmen häufig erhebliche Einsparungen erzielen: schnell, wirtschaftlich und ohne größere Eingriffe in bestehende Prozesse. Wer diese Potenziale systematisch identifiziert und nutzt, schafft kurzfristige Erfolge und legt gleichzeitig den Grundstein für eine langfristige Transformation.
Was sind „Low Hanging Fruits“ in der Praxis?
Wir verstehen darunter Effizienzmaßnahmen, die ohne große Investitionen oder strukturelle Veränderungen umgesetzt werden können. Sie zeichnen sich durch eine kurze Amortisationszeit, eine hohe Umsetzbarkeit und klar messbare Effekte aus.
In Produktion und Gebäudebetrieb entstehen solche Potenziale häufig durch:
ungenutzte Optimierungsmöglichkeiten in bestehenden Prozessen
ineffiziente Betriebszeiten oder Regelstrategien
fehlende Transparenz bei Energie- und Ressourcendaten
historisch gewachsene Regelparameter, die schon längst nicht mehr zu der aktuellen Nutzungssituation passen
Verluste durch Wartungsmangel (z.B. hohe Druckluftleckagen (ja, immer noch), verschmutzte Filter in RLT und Leitungssystemen, defekte Regelarmaturen in Heizungsanlagen)
Unser Anspruch ist es, diese Potenziale systematisch sichtbar zu machen und pragmatisch zu realisieren.
Typische Low Hanging Fruits in der Produktion
1. Druckluftsysteme optimieren
Druckluft gehört zu den teuersten Energieformen in der Produktion. Häufig gehen 20 bis 30 Prozent der erzeugten Druckluft durch Leckagen verloren.
Schnelle Maßnahmen:
Leckage-Ortung und -Beseitigung
Absenkung des Systemdrucks um wenige Zehntelbar
Abschaltung in produktionsfreien Zeiten
Das Ergebnis: Sofortige Energieeinsparungen ohne Produktionsrisiko!
2. Lastmanagement und Maschinenlaufzeiten
Maschinen laufen oft länger als notwendig oder außerhalb optimaler Lastbereiche.
Schnelle Maßnahmen:
Anpassung von Start- und Shutdown-Zeiten
Bündelung energieintensiver Prozesse
Vermeidung von Leerlaufzeiten
Plausibilisierung Grundlast und Suche nach unnötig durchlaufenden Verbrauchern
Das Ergebnis: Reduzierte Spitzenlasten, effizienterer Betrieb und ggf. Nutzung von Netzentgeltprivilegierungen!
3. Abwärmenutzung
In vielen Produktionsprozessen entsteht Abwärme, die ungenutzt bleibt.
Schnelle Maßnahmen:
Nutzung von Abwärme zur Hallenbeheizung
Integration in Warmwasserprozesse
Optimierung bestehender Wärmetauscher
Identifikation von Abwärme die für einen effizienteren Betrieb von Wärmepumpen genutzt werden kann
Das Ergebnis: Direkte Senkung des (häufig fossilen) Energiebedarfs!
Effizienzpotenziale in Gebäuden gezielt heben
1. Optimierung der Gebäudeleittechnik
Gebäude laufen häufig nach fixen Zeitplänen, unabhängig von tatsächlicher Nutzung.
Schnelle Maßnahmen:
Anpassung von Heizungs-, Lüftungs- und Klimazeiten
Einführung bedarfsabhängiger Regelstrategien
Feinjustierung von Sollwerten
Sicherstellung, dass vorhandene Regelungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden(Auch heute noch werden teilweise Heizungsanlagen zur Gebäudebeheizung mit konstanter Vorlauftemperatur ganzjährig gefahren, obwohl die Anlage vom Hersteller aus einen witterungsgeführte Regelung mitbringt)
Das Ergebnis: Spürbar geringerer Energieverbrauch bei gleichbleibendem Komfort!
2. Beleuchtung modernisieren
Beleuchtung ist oft ein unterschätzter Kostenfaktor.
Schnelle Maßnahmen:
Umrüstung auf LED, auch in den nicht durchgehend genutzten Bereichen
Einsatz von Bewegungs- und Tageslichtsensoren
Zonierung großer Flächen
Das Ergebnis: Einsparungen von bis zu 60 Prozent sind in vielen Fällen realistisch!
3. Standby-Verluste reduzieren
Geräte und Anlagen verbrauchen auch außerhalb der Nutzungszeiten Energie.
Schnelle Maßnahmen:
konsequente Abschaltkonzepte (z. B. Gebäudebeheizung im Sommer abschalten)
Sensibilisierung der Mitarbeitenden
Das Ergebnis: Kontinuierliche Reduktion unnötiger Verbräuche!
So setzen wir Low Hanging Fruits systematisch um
Ein strukturierter Ansatz stellt sicher, dass Potenziale nicht zufällig, sondern gezielt gehoben werden:
Transparenz schaffen: Erfassung und Analyse von Energie- und Betriebsdaten
Quick-Checks durchführen: Identifikation schnell umsetzbarer Maßnahmen vor Ort
Priorisieren nach Wirkung und Aufwand: Fokus auf Maßnahmen mit maximalem Nutzen
Sofort umsetzen: Keine langen Entscheidungsprozesse bei klaren Effekten
Erfolge messen und skalieren: Ergebnisse dokumentieren und auf weitere Bereiche übertragen
Warum Low Hanging Fruits strategisch wichtig sind
Low Hanging Fruits sind mehr als kurzfristige Einsparungen. Sie erfüllen mehrere strategische Funktionen:
Schnelle Ergebnisse schaffen Akzeptanz für weitere Maßnahmen
Interne Ressourcen werden aktiviert, ohne große Investitionshürden
Datenbasis wird verbessert, um fundierte Entscheidungen zu treffen
Regulatorische Anforderungen lassen sich leichter erfüllen
Nachhaltigkeitsziele werden konkret messbar
Sie sind damit ein idealer Einstieg in eine ganzheitliche Effizienzstrategie.
Wirkung vs. Aufwand

Die Grafik verdeutlicht, warum Low Hanging Fruits in Effizienzprojekten eine besondere Rolle spielen. Während kleinere Optimierungen oft nur begrenzte Einsparungen erzielen und strategische Großprojekte zwar hohe Potenziale bieten, jedoch mit erheblichem Aufwand verbunden sind, befinden sich Low Hanging Fruits im optimalen Bereich: Sie verbinden eine hohe Wirkung mit vergleichsweise geringem Umsetzungsaufwand.
Fazit
Effizienz beginnt nicht zwingend mit großen Investitionen. In Produktion und Gebäuden lassen sich erhebliche Einsparpotenziale bereits mit einfachen Maßnahmen realisieren. Entscheidend ist ein strukturierter Blick auf bestehende Prozesse und der Wille, naheliegende Verbesserungen konsequent umzusetzen.
Unternehmen, die Low Hanging Fruits aktiv nutzen, schaffen schnelle Erfolge, stärken ihre Wettbewerbsfähigkeit und legen die Basis für nachhaltige Transformation.
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