Strom- und Gaspreisentwicklung 2026 - 2030
- Jörg Lieske

- vor 3 Tagen
- 4 Min. Lesezeit

Zwischen 2026 und 2030 werden Strom und Gaspreise in Europa nicht auf das Vorkrisenniveau der 2010er Jahre zurückkehren. Trotz einer teilweisen Entspannung nach der Energiekrise 2021 - 2023 bleibt Energie ein strategischer Kosten- und Risikofaktor.
Es kann erwartet werden, dass
die Strompreise strukturell höher und volatiler bleiben. Dies getrieben durch Netzinvestitionen, steigende Systemkosten und eine nur teilweise materialisierende Nachfrage aufgrund von fortschreitender Elektrifizierung
Gaspreise mittelfristig betrachtet sinkend bis gleichbleibend sein werden, jedoch mit ausgeprägter geopolitischer Volatilität und dauerhaftem CO₂ Kostenaufschlag. Langfristig betrachtet werden die Gaspreise aber steigen und gerade durch den CO₂ Kostenaufschlag ggf. sogar stärker als beim Strom.
Energiepreise zu einem entscheidenden Standort und Investitionskriterium für Industrie und Mittelstand geworden sind.
Ausgangslage 2026: Neue Normalität statt Rückkehr zur Vergangenheit
Nach der letzten Energiekrise kann festgehalten werden, dass sich die Märkte zwar etwas stabilisiert haben, sie sich aber weiterhin über dem Durchschnitt vor 2021 bewegen. Die Ursache liegt dabei nicht mehr vorrangig in akuten Lieferunterbrechungen, sondern in strukturellen Veränderungen der Energiesysteme.
Gas und Strom werden stärker global gehandelt
Versorgungssicherheit hat Vorrang vor reiner Kostenminimierung
die Dekarbonisierung erhöht kurz bis mittelfristig Systemkosten
Strompreisentwicklung 2026–2030: Teurer, volatiler, strategischer
Wir gehen davon aus, dass sich die Strompreise nach dem starken Anstieg während der Energiekrise mittelfristig unterhalb der Höchststände stabilisieren, jedoch strukturell über dem Vorkrisenniveau verbleiben werden. Eine vollständige Rückkehr zu früheren Preisniveaus erscheint angesichts der zugrunde liegenden Kostenstrukturen unwahrscheinlich.
Kurz- bis mittelfristig wirken mehrere Faktoren preisstützend:
Dazu zählen insbesondere steigende Netzentgelte, die aus hohen Investitionen in Stromnetze zur Integration erneuerbarer Energien resultieren
Anhaltende CO₂ Kosten im Emissionshandel, vor allem in Ländern mit weiterhin fossil geprägter Stromerzeugung, verhindern ein Sinken der Preise.
Darüber hinaus tragen Steuern und Abgaben ebenfalls zur Persistenz höherer Endkundenpreise bei, wenngleich schon einzelne Bestrebungen in der Politik in Richtung sinkende Steuern und Abgaben laufen.
Gleichzeitig sind mittelfristig, aber auch dämpfende Effekte zu erwarten:
Der fortgesetzte Ausbau erneuerbarer Energien senkt die Grenzkosten der Stromerzeugung und reduziert die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen.
Zudem können eine stärkere EU weite Marktintegration, verbesserte Netzanbindungen und der Ausbau von Speichertechnologien, Preisschwankungen abmildern.
Diese Effekte schlagen voraussichtlich jedoch nur verzögert auf die Endkundenpreise durch.

Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass ohne zusätzliche strukturelle Reformen, dauerhaft erhöhte Strompreise die Elektrifizierung und damit die Erreichung der Dekarbonisierungsziele leider bremsen werden.
Gaspreisentwicklung 2026 - 2030: Entspannung mit Vorbehalt
Unserer Marktbeobachtung nach werden Struktur der globalen Erdgasmärkte sich mittel- bis langfristig durch eine bevorstehende Welle neuer LNG Kapazitäten grundlegend verändern. Weltweit sollen laut einer Analyse der International Energy Agency (IEA), bis 2030 rund 300 Mrd. m³/Jahr neue LNG Exportkapazitäten in Betrieb gehen. Dies wird die Versorgungssicherheit erhöhen und Erdgas für Importländer tendenziell erschwinglicher machen.
Aufgrund der aktuellen Situation an der Straße von Hormus und dem aber langsamen Zubau dieser Kapazitäten, kann sich dieser Effekt erst mittel- bis langfristig einstellen.

Da sich der Gasmarkt nach dem Preisschock 2022/23 nicht wesentlich erholt hat, bleibt die Situation angespannt. Die bleibend hohen Preise begrenzten gerade im Europäischen Raum die Nachfrage. Ebenso wirkt der Abbau von Gasverbrauchern (Stichwort Dekarbonisierung) einer preislichen Entspannung weiter entgegen.
Die IEA zeigt in einem Basisszenario aus Ihrem Gasbericht vom Oktober 2025 zwar, dass die weltweite Gasnachfrage bis 2030 um etwa 9 % (≈ 380 Mrd. m³) steigt, nur begründet sich dies vorrangig auf das Nachfragewachstum aus dem Asien-Pazifik-Raum. Da gleichzeitig aber das LNG Angebot schneller wächst, könnte daraus ein temporärer Angebotsüberschuss entstehen und somit der Gaspreis sinken.
Aktuelle Gaspreishausse im Vergleich
Gaspreise reagieren extrem sensibel auf geopolitische und angebotsseitige Schocks. Dies deutlich stärker als auf normale saisonale Effekte, die eher regelmäßig auftreten oder aus Wetterprognosen ableitbar sind.

So reagierten die Gaspreise an der Börse sehr schnell auf die Sperrung der Straße von Hormus und stiegen an. Aufgrund der aktuell unklaren Situation schwanken die Preise, bleiben aber auf einem erhöhten Niveau. Aus der nebenstehenden Grafik ist allerdings ersichtlich, dass die aktuelle Gaspreishausse deutlich geringer ausfällt als in den Krisenjahren 2021 und 2022.
Fazit: Planungssicherheit entsteht nicht durch sinkende Preise, sondern durch Strategie
Energie ist bei weitem kein operatives Detail mehr, sondern zählt zu den Top Werttreibern. Strom- und Gaskosten werden bis 2030 zwar teuer werden, bleiben unserer Erfahrung nach gleichzeitig aber managebar.
Eine wirksame Energiekostenoptimierung und damit Planungssicherheit erfordert einen systematischen Ansatz, der technische, organisatorische und energiewirtschaftliche Maßnahmen miteinander verbindet.
Ein zentraler Hebel ist die Steigerung der Energieeffizienz. Durch Energieaudits, Energiemessungen, Erstellung von Dekarbonisierungsplänen oder die Einführung von Energiemanagementsystemen wie ISO 50001 oder ISO 50005, werden Einsparpotenziale transparent gemacht und kontinuierlich reduziert. Ergänzt wird dies durch konkrete Effizienzmaßnahmen und moderne Versorgungskonzepte, etwa unter Einbeziehung von Wasserstoff oder erneuerbaren Energien.
Gleichberechtigt wichtig und oft mit sogenannten „low hanging fruits“ versehen, ist die energiewirtschaftliche Optimierung. Dazu zählt
zum einen der richtige Umgang mit Abgaben, Umlagen und Förderungen, da durch die Nutzung von Privilegierungen, einem strukturierten Meldepflichten- und Fördermittelmanagement, die Unternehmen ihre Energiekosten signifikant reduzieren können und sich so finanzielle Spielräume schaffen.
Zum anderen zählen intelligente Energiebeschaffungsstrategien, ein kontinuierliches Energiekosten-Tracking sowie Spitzen- und Ladelastmanagement dazu, um die eigenen Netzentgelte und Leistungspreise gezielt zu senken. Green-Energy-Konzepte ermöglichen es zusätzlich, Kostenstabilität und Nachhaltigkeitsziele miteinander zu verbinden.
Schließlich gewinnt die Verknüpfung von Energiekostenoptimierung und Nachhaltigkeitsmanagement zunehmend an Bedeutung. Klimastrategien, CO₂ Bilanzierungen (CCF/PCF) sowie CSRD- und VSME-Berichterstattung zahlen nicht nur auf regulatorische Anforderungen ein, sondern stärken auch die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Unternehmen, die also Strom und Gasrisiken aktiv durch
ein Energie- und Umweltmanagementsystem
Steigerung der Energieeffizienz im Unternehmen
den Einsatz von Energiespeichern und Eigenerzeugung
ein vorausschauendes Energiebeschaffungskonzept
die Beachtung von Kostenpotentialen aus Beihilfen
die Befolgung von Dekarbonisierungskonzepten
steuern, sichern sich ihre Wettbewerbsfähigkeit im Markt. Wer dagegen auf eine automatische Entspannung der Märkte hofft, riskiert Margen, Investitionsfähigkeit und Standortstabilität. Sofern nicht bereits erfolgt, ist es daher dringend angeraten entsprechende Strategien zu entwickeln.
Gerne unterstützen wir Sie dabei, Ihre individuelle Situation zu bewerten und konkrete Handlungsoptionen abzuleiten.
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